Besuch des Sozialministers

 Manfred Lucha

bei der

Kiebinger Dorfgemeinschaft e. V. 

5. Mai 2017

 

Bild 1 Alt.

Von links: Michael Lucke (DG-Vorstand), Manfred Lucha (Sozialminister BW), Elisabeth Schröder-Kappus (DG-Vorstand), Chris Kühn (MdB)

Am vergangenen Freitag hatte die Dorfgemeinschaft Kiebingen hohen Besuch: Der Sozialminister des Landes Baden-Württemberg, Manfred Lucha, machte ein Versprechen wahr, das er bei einem Besuch der Baustelle im Unterdorf im Juli 2015 der damaligen Ortsvorsteherin Lisa Schröder-Kappus kurz vor seinem Antritt als Minister gegeben hatte. Wenn das Projekt der Dorfgemeinschaft mit Bürgertreff und selbst verantworteter Wohngemeinschaft fertig sei, werde er wieder nach Kiebingen kommen, um zu sehen, was gelungen ist, aber auch, wo es noch Stolpersteine in diesen neuen Projekten für die ‚sorgende Gemeinschaft‘  („Caring Communities“) in kleineren Kommunen gibt. Außer Herrn Minister Lucha kamen auch der Bundestagsabgeordnete Herr Chris Kühn sowie Herr Oberbürgermeister Stephan Neher. Neben Frau Schröder-Kappus und Herrn Michael Lucke als Vorstandsmitglieder der Dorfgemeinschaft waren auch etliche Ausschussmitglieder anwesend. Zum Besuch der Wohngemeinschaft durften wir auch die Sprecher des Bewohnergremiums begrüßen.

 

Nach einem kurzem Rundgang über den nun fertig gestellten „Kiebinger Wasen“   begann das Gespräch im Bürgertreff. Elisabeth Schröder – Kappus begrüßte die Gäste und gab einen kurzen Rückblick zur Entstehung des gesamten Projekts. Michael Lucke erläuterte die Konzeption der von der Dorfgemeinschaft initiierten selbstverantworteten Wohngemeinschaft in Kiebingen. Das Ziel, dass ältere Menschen im Ort bleiben können, wenn sie einen hohen Pflege- und Betreuungsaufwand haben, konnte mit der neuen Einrichtung erreicht werden. Mit der Fachpflege durch die Rottenburger Sozialstation und den Alltagsbegleiterdienst der Dorfgemeinschaft wird die Rundum-Begleitung und die fachliche Betreuung sichergestellt. Herr Lucke verwies aber auch auf die Schwierigkeiten der bürgerschaftlich getragenen Wohngemeinschaften: Die Konzepterstellung war sehr aufwändig, die Anlaufkosten sehr hoch. Die Städte und Kommunen zeigen bisher wenig Interesse, diese neuen Wohnformen zumindest für die Aufbauphase auch finanziell zu unterstützen. Die neu eingerichtete Fachstelle für neue Wohnformen (FaWo) beim Ministerium, die auch das Kiebinger Projekt begleitet hat, sei hilfreich, aber für die vielen Initiativen im Land zu klein. Auch im umfangreichen Vertragswesen wäre Unterstützung sehr hilfreich.

 

“Ond? – Wie g’fällt’s Ihne, Herr Minischter …?”

Herr Lucha ging in einem Exkurs auf die Versorgung alter Menschen früher ein und wies auf den beschwerlichen Weg von dem früher restriktiven Heimrecht bis zu dem jetzigen, wesentlich offeneren Ansatz des selbstbestimmten Wohnens hin. Er sei heute hier, um genau hinzuschauen, wo weitere Unterstützung notwendig sei. Er erinnere sich gut an die Baustelle von vor drei Jahren  und lobte dieses Beispiel von Übernahme politischer Verantwortung. Er sehe hier gute Chancen für die Weiterentwicklung der  Bürgergemeinschaft.

 

Im Gespräch mit einer Bewohnerin (von links): Stefan Neher (OB Rottenburg), Manfred Lucha (Minister), Michael Lucke (DG)

Herr Oberbürgermeister Stephan Neher erkundigte sich nach der Zusammenarbeit zwischen dem Pflegedienst und den Alltagsbegleitern. Frau Schröder-Kappus und Frau Bachmann, die Einsatzleiterin der Alltagsbegleitung, betonten, es sei wichtig, dass beide Beteiligten bereit seien, sich auf diese neue Form einzulassen und diese Wohngemeinschaft  als gemeinsamen Arbeitsbereich zu betrachten. Diese Zusammenarbeit werde durch Teambesprechungen und Fortbildungen ermöglicht.

Herr Lucke betonte noch einmal, dass die Kiebinger Wohngemeinschaft bisher das einzige Modell dieser Art in der Region sei und immer neu erklärt werden müsse, dass es sich hier um selbst bestimmtes Wohnen mit Betreuung und Pflege handelt. Angesichts des großen Interesses anderer Initiativen und Kommunen sei es wünschenswert, eine Bedarfsanalyse zu erstellen und bei der Kreis-Altenplanung nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ den Bedarf an Unterstützungsmöglichkeiten zu erheben. Im weiteren Fachgespräch wurde auch auf die Arbeitssituation der Alltagsbegleiter und die Möglichkeit, auch als Sozialhilfeempfänger in die Wohngemeinschaft einzuziehen, eingegangen.

Minister Lucha zeigte sich sehr interessiert an den Erfahrungen der Dorfgemeinschaft in der Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, wie auch an den Erfahrungen, wie Mitarbeiter gewonnen und qualifiziert werden konnten.

 

Herr Lucke stellte als Perspektive in den Raum, dass die Kommunen im Neckartal zusammenarbeiten könnten, dass dafür eine gemeinsame Konzepterstellung notwendig sei. Hierfür wäre ein Ausbau der Beratungsstrukturen und eine Unterstützung beim Vertragswesen erforderlich. Dies sei im Sozialministerium angekommen, erwiderte Herr Lucha. Der Minister lud die Dorfgemeinschaft ein, die Stolpersteine zu formulieren und Vorschläge mitzuteilen, wo unterstützt werden könnte und sollte.

Abschließend bedankte sich Herr Minister Lucha  für das informative Gespräch und den Besuch in der Wohngemeinschaft. Er zeigte sich beeindruckt angesichts der geleisteten Arbeit. Das Kiebinger Beispiel zeige ihm, dass eine solche Verantwortungskultur in dörflichen Gemeinden möglich sei. Und er ermutigte uns, weiter zu arbeiten, das Gute werde bleiben.

Skulptur des Kiebinger Künstlers Ralf Ehmann:                “Kommen – Verweilen – Gehen”